Emily und der Tiger

Ich heiße Emily und bin 27 Monate alt. Vor wenigen Tagen habe ich einen kleinen Bruder bekommen. Er heißt Anton und gefällt mir sehr gut. Als meine Mama noch im Krankenhaus lag und mein Papa durch die Ankunft von Anton so viel zu tun hatte, durfte ich bei Oma und Opa schlafen. Ich bin dort sehr gerne und beide sind lieb zu mir. Aber in den letzten Tagen nervten und drängelten sie mich wirklich sehr. "Emily, du musst trinken! " Sie baten mich immer wieder, aus meinem Becher zu trinken und behaupteten, ich würde dann schneller gesund werden. Ich habe nämlich Fieber, Husten und Schnupfen.
Nun habe ich also an diesem Tag wirklich viel getrunken. Immer wieder haben Oma und Opa mich darum gebeten. Aber deshalb ist es ja auch nur passiert. Ja, es ist mir passiert. Ärgerlich! Ihr müsst nämlich wissen, dass ich nun als große Schwester auch nachts keine Windel mehr trage. Darauf bin ich stolz und das soll auch so bleiben. Ja, aber nun ist es leider geschehen. Ich habe "eingepullert.", - in mein Bett. Als ich es gemerkt habe, konnte ich bei Oma und Opa nicht rechtzeitig herausklettern und Oma hat mich auch nicht sofort gehört, als ich gerufen habe. Aber dann kam sie ganz schnell und war sehr lieb zu mir. In das nasse Bett konnte Oma mich nicht wieder hinein heben. Sie musste kurz nachdenken, da sie kein kleines Laken mehr hatte. Da nahm sie schnell das große Badehandtuch, das sie für mich auf Teneriffa gekauft hatte. Darauf war ein großer, bunter Tiger abgedruckt. Er hat mir sonst immer viel Spaß gemacht und Oma hat mich schon oft mit dem damit abgetrocknet. Als Oma das Handtuch in mein Bett gelegt hatte, sah sie ganz stolz aus. "Guck mal, Emily" sagte sie, als sie mich hochhob. Ich hatte aber einfach keine Lust, mich darüber zu freuen.
"Nein !!! Der Tiger beißt!!!" sagte ich energisch.
Oma überlegte wieder und erleichtert über ihre neue Idee nahm sie das Handtuch wieder heraus und legte es mit der weißen Frotteeseite nach oben in mein Bett zurück. "So, Emily, jetzt kannst du wieder gut schlafen." Ich sah wieder in mein Bett und war beleidigt. `Was war denn das? Das gleiche dumme Handtuch war immer noch in meinem Bett???`
Empört sagte ich: "Der Tiger beißt immer noch!" Oma gab nicht auf. Sie legte ein frisches Geschirrtuch mit abgedruckten Früchten oben auf das Tigerhandtuch. Sie zeigte es mir fragend. 'Oh, Oma! Was soll denn nun das? Denkst du wirklich, dass ich nicht sehe, dass das Tigerhandtuch noch darunter liegt? Aber egal, - der Klügere gibt nach.' Oma war erleichtert. Sie knipste das Licht aus und ging aus dem Zimmer. Es war schon sehr spät. Ich ärgerte mich aber trotzdem über den Tiger in meinem kleinen Bett. Oma hatte das Tuch fest um die Matratze geschlagen, aber es gelang mir dennoch, es vor dem Einschlafen herauszuziehen und es an das Fußende zu schieben. Schließlich möchte ich entscheiden, was in meinem Bett passiert. Am nächsten Morgen sagte Oma nichts dazu. Auch gut. Hoffentlich denkt sie aber jetzt nicht, dass ich wirklich so dumm bin und glaube, dass ein bunter, gemalter Tiger auf einem Handtuch beißen kann. Ich muss Oma noch einmal auf dieses Thema bringen. Aber wie? Ich nahm das Tigerhandtuch, legte es fein ordentlich auf den Fußboden des Badezimmers und legte mich lachend und ohne Angst darauf. Oma kam und lachte auch. Sie holte den Fotoapparat und fotografierte mich so. Meine Ehre ist also wieder gerettet. Aber trotzdem, ein Tigerhandtuch in meinem Bett??? Damit werde ich auch in Zukunft nicht einverstanden sein.

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